Minus meets Googoo – Barem
Samstag, 15. November 2008
Barem (M-nus / FoundSound / Buenos Aires)
Mario Kober (Googoo Records / Stuttgart)
Romy S., Stuttgart, Beginn: 23:00 Uhr
Lateinamerika ist ein guter Nährboden für elektronische Künstler. Das beweisen seit vielen Jahren nicht nur chilenische Künstler wie Ricardo Villalobos oder Dinky, sondern auch seit einiger Zeit der junge Mauricio Barembuem, kurz genannt Barem, aus Buenos Aires/Argentinien.
Barem (24) zählt zu der Generation von jungen Minimal-Techno-Produzenten, die im digitalen Zeitalter mit diesem Sound aufgewachsen sind und ohne Berührungsängste vor der Technik ihre eigenen Visionen intuitiv mit gängigen Musikprogrammen in die Tat umsetzen. Ein Studio zugestopft mit teurem Gerät ist längst ein Relikt aus der Vergangenheit.
Im Falle von Barem war da aber noch ein anderes Problem: Die Underground-Dance-Szene Argentiniens war zu seiner Jugendzeit eher dürftig und zudem war die Ausrüstung sündhaft teuer. Also schraubte er an seinem Laptop an seinen ersten Loops und zog sich nebenher Schallplatten, unter anderen natürlich von M-nus, rein.
Im Jahre 2005 kam es in Buenos Aires nach jahrelangem Struggle zur schicksalhaften Begegnung mit seinem Idol Richie Hawtin. Der wiederum war sehr interessiert an Barems Output und forderte ihn auf Demos einzuschicken. Schon nach einem Sampler-Beitrag für die Min2Max-Compilation stiegen sein Markwert und die Nachfrage seiner Gigs rasant in die Höhe. Seitdem befindet sich der Junge mit seinen mitreißenden Live-Sets nonstop on Tour rund um den Globus.
In seinen verklickerten Minimal Tracks lässt er gerne Platz für percussive Elemente in Anlehnung an seine argentinischen Roots, was einen sehr rhythmischen und druckvollen Sound zur Folge hat, wie man es zuletzt im Mai im Romy S. erleben konnte.
An diesem extrem exzessiven Abend tauchte auch spontan sein argentinischer Freund Guti für ein kleines Live-Set auf. Dieser bringt ebenfalls südamerikanische Sounds in seine reduzierten Grooves mit ein und baut darüber hinaus als vorzüglicher Pianist gerne jazzige Sounds in seine Produktionen mit ein. Aufgrund seines einzigartigen Sounds wurde er neben Barem schnell Aushängeschild des argentinischen Technos. Gemeinsam bilden sie auch das Merengue Downtempo Orchestra.
Musikalisch äquivalent abgerundet wird der Abend von unserem Resident Mario Kober, der auf seinem Label Googoo Records Pfade jenseits des Mainstreams sucht und mit neuestem technischem Equipment seine Sets moduliert.
www.myspace.com/barem
Bryzant Games Album Release Tour
Freitag, 21. November 2008
Christian Fischer (Definition Records / Bryzant / Leipzig)
Marius Lehnert (Discotronic / Rocker 33 / Stuttgart)
Romy S., Stuttgart, Beginn: 23:00 Uhr
Steter Tropfen höhlt den Stein. So lässt sich am besten Christian Fischers Karriereverlauf beschreiben. Nach langjähriger Basisarbeit erntet er nun in den letzten anderthalb Jahren die Früchte seiner Saat. Mit der „Clubtech Panorama“-Mixcompilation wurden erstmals viele auf den gebürtigen Leipziger aufmerksam, gefolgt von dem ersten Album der Deckmonsters, sein Projekt mit dem brasilianischen Superstar DJ Murphy, mit dem er im Anschluss durch die größten europäischen Musikfestivals tourte, um die Zuschauer mit ihren atemberaubenden Turntabletricks zu faszinieren.
Da fragt man sich, wie Christian Fischer da immer noch Zeit hatte, um sein Debütalbum fertig zu stellen, das im Oktober auf seinem eigenen Label Definition Records erschienen ist. Und es auch nicht so, dass unter der Hektik Qualitätseinbußen zu vernehmen sind, ganz im Gegenteil. “Bryzant Games” ist ein faszinierendes Danceepic, das das pumpende Herz einen Sprung machen lässt oder zwei. Vor allem: Christian Fischer zeigt hierauf, dass er ein Mann mit vielen Facetten ist, wie auch hinter den Decks, die er seit 1996 unermüdlich beackert, erst an lokalen Leipziger Partyfront, dann national und schließlich in aller Welt – von Lateinamerika bis nach Skandinavien oder Asien.
Ob man nun Techno, Electro oder Minimal vorzieht, dessen Spektrum von kraftvollem Floorflutter bis zu melodischen Meltdowns reicht, spielt keine Rolle: „Bryzant Games“ hat von allem etwas. Die vielfarbigen Hemisphären der elektronischen Dancemusik ausleuchtend, vollbringt Christian Fischer, das magische Kunststück, stilistischen Konventionen und Stereotypisierungen ein Schnippchen zu schlagen, um bedingungslose Musikalität zuzulassen.
Aber nicht nur das: Der ostdeutsche Labelbetreiber/Produzent/DJ geht eklektischten Kooperationen ein, zum Beispiel mit der deutschen Hip-Hop-Sängerin Sabrina Setlur (!) oder den UK-Techno- und Breaks-Heroen Slam und Hybrid und auch das hat Hand und Fuß – ein Multitalent dieser Fischer.
Das zeigt sich auch immer wieder bei seinen Sets, bei denen Christian Fischer gerne das Plakative vermeidet aber dabei doch unglaublich eingängig klingt. Bereits im Hochsommer wurde er eher spontan an einem Freitag ins Romy S. eingeladen und überzeugte auch bei uns auf ganzer Linie. Zwischen einer Asien- und einer Brasilien-Tour hat er jetzt ein Follow-Up Date für uns gefunden.
Musikalisch dürfte Fischer mit Marius Lehnert perfekt harmonieren, denn auch der greift bei seinen Gigs in den angesagten lokalen wie regionalen Technobuden lieber mal mutig in die Plattenkiste, als immer nur auf Nummer sicher zu gehen – was die schöne Romy sehr mag. Denn Frauen wollen bekanntlich ungern gelangweilt werden.
www.definition-records.de
www.myspace.com/bryzant
http://www.youtube.com/watch?v=AHfUd9qnhyA
Berlin Calling
Samstag, 22. November 2008
Paul Kalkbrenner (Bpitch Control / Friedrichshain)
Alexander Maier (Buzzin Fly / Mood Music / Stuttgart)
E-Punk (Endstation / Stuttgart)
Romy S., Stuttgart, Beginn: 23:00 Uhr
Special: Vor der Party wird der Film „Berlin Calling“ mit Paul Kalkbrenner in der Hauptrolle im Kino Delphin gezeigt.
Mittlerweile weiß es jedes (Techno-)Kind. Seit Anfang Oktober läuft im Kino ein Film, da spielt einer von uns mit. Einen den man jede Woche hautnah erleben kann, einer der ist wie wir und bis zum Umfallen feiert und uns dabei noch mit sauguter Mugge beschenkt. Und er spielt sich ein wenig sich selbst, wie man in den letzten Wochen oft lesen konnte, bloß der Drehbuchautor hat ihm den leicht dämlichen Namen DJ Ickarus verpasst. Aber da er einer von uns ist, sagen wir weiterhin einfach Paule, Kalki oder Brenni zu ihm. Nein, letzteres eher doch nicht, aber vielleicht: Paul Kalkbrenner. Junge, komm bald wieder nach Haus´!
Paul Kalkbrenner in dieser Nacht läuft über den roten Teppich auf den Romy S. Stufen ein und hat eine Videokassette unter dem. Nicht aus der 451, sondern eigens für diesen Abend kopiert von einer großen Filmproduktionsfirma. „Der Berliner Elektro-Komponist Martin (Paul Kalkbrenner), genannt DJ Ickarus, tourt mit seiner Managerin und Freundin Mathilde (Rita Lengyel) durch die Tanzclubs der Welt. Sie stehen kurz vor ihrer größten Albumveröffentlichung. Als Ickarus jedoch nach einem Auftritt im Drogenrausch in eine Berliner Nervenklinik eingeliefert wird, geraten alle Pläne durcheinander. Eine Tragikomödie im Berlin von heute.“ Soweit die Pressemappe.
Im Gegensatz zu vielen anderen Musikerporträts, die sonst meist über alte oder tote amerikanische oder englische Künstler handeln, hat Regisseur Hannes Stöhr bewusst die deutsche elektronische Szene als Biotop für seinen Movie gewählt. „Die Musiker der Youtube Generation komponieren auf ihren Laptops, fliegen um die ganze Welt und benötigen keine Texte. Sie verkaufen ihre Tracks über Downloads, sind auf diese Weise unabhängig von großen Majors und sie sind im besten Sinne Dienstleister für die Tanzbegeisterten der internationalen, globalisierten Clublandschaft.“ Mit Paul Kalkbrenner hat Stöhr den perfekten Protagonisten für die Hauptrolle ausgewählt, der zudem auch noch ein großes schauspielerisches Talent offenbarte.
Der Film zeichnet selbstverständlich ein erfundene Biographie, denn freilich musste der lebensfrohe Paule sein geliebtes Friedrichshain noch nie verlassen, um in der Klappsmühle eines seiner zahlreichen Alben auf Bpitch Control fertig zu produzieren (wie im Film), aber trotzdem hat er mit Ickarus doch einiges gemeinsam, vor allem eben der rastlose Lebensstil zwischen Globetrotting und Studioarbeit.
Diesen Lifestyle führt Kalkbrenner bald seit 10 Jahren. Neben Chefin Ellen Allien und Acts wie Modeselektor, Sascha Funke oder Smash TV entwickelte sich Paul Kalkbrenner mit mehreren Maxis und Alben zu einem der Zugpferde des Berliner Bpitch-Imperiums schlechthin. Der Friedrichshainer for live wurde aufgrund seines epischen, flächigen und mitreißenden Stils schnell in die Neo-Trance Ecke gedrückt, was ihm aber eigentlich gar nicht so recht ist. Energetischer und melodiöser Techno trifft es wohl eher. Seine Live-Acts sind furios und rocken die Bude bis in den letzten Winkel. Watch youtube-Videos.
www.myspace.com/pakalkbrenner
www.bpitchcontrol.de
http://www.youtube.com/watch?v=drdf8OeBUUM